Wenn die Mehrarbeit auf den Bauch schlägt: Stress als Führungskraft ernst nehmen
Der Auszubildende kommt nicht in die Gänge, also übernimmst du. Wieder. Du kontrollierst nach, was eigentlich erledigt sein sollte, fängst Fehler ab, hältst den Laden zusammen. Nach außen heißt das Verantwortung. Nach innen heißt es oft: ein Bauch, der streikt, ein Schlaf, der nicht mehr erholt, und ein Energielevel, das schon mittags kippt.
Über diese zweite Seite reden wir viel zu selten. Dabei ist sie es, die dich auf Dauer ausbremst.
Dein Körper führt mit – und schreibt mit
Wenn du dauerhaft mehr trägst, als gut für dich ist, schaltet dein Nervensystem in den Dauer-Alarm. Der Sympathikus bleibt aktiv, Cortisol läuft im Hintergrund weiter. Weißt du was das bedeutet?! Das ist nur sinnvoll, wenn es darum geht auf eine akute Belastung blitzschnell zu reagieren (wie Flucht vorm Säbelzahntiger) – aber wird zum Problem, wenn die mobilisierte Kraft ins Leere läuft, besonders dann wenn Momente zu Tagen Wochen Monaten werden.
Besonders empfindlich reagiert dabei der Darm. Über die Darm-Hirn-Achse ist er direkt mit deinem Stresssystem verschaltet: Anspannung verändert die Beweglichkeit, die Durchblutung und das Milieu im Darm. Aus „mir schlägt grade ein bisschen Stress auf dem Magen” wird auf Dauer ein Reizdarm, der den Tag mitbestimmt. Flacher Schlaf, häufigere Infekte, das Gefühl, nie ganz aufzutanken – auch das gehört in dieses Bild. Dein Körper verwaltet die Mehrarbeit nicht kostenlos. Er schreibt mit. Und du ahnst vielleicht, dass hier die Gut-Brain-Axis bzw. Darm-Hirn-Achse involviert ist?
Der unmotivierte Azubi ist also auch ein Gesundheitsthema – und zwar deins!
Hier wird es echt unbequem: Ein Auszubildender, der keinen Eigenantrieb findet, ist nicht nur ein Leistungs- oder Geduldsthema. Er ist eine dauerhafte Zusatzlast auf einem System, das ohnehin schon hochtourig läuft – auf deinem.
Das ist kein Vorwurf an die jungen Menschen. Fehlende Motivation hat fast immer Gründe: Überforderung, Unsicherheit, das Gefühl, am falschen Platz zu sein, nicht wirklich gesehen zu werden, manchmal auch der Wunsch nach ganz anderen Aufgaben im Unternehmen, oder eine dünne Stressresilienz, die nie aufgebaut wurde. Und während ihr beide noch irgendwo hier feststeckt, zahlt dein Organismus die Zeche mit.
Wo meine zwei Welten sich treffen
Genau an diesem Punkt verbinden sich meine beiden Tätigkeiten. Als Lern- und Resilienzcoach begleite ich Auszubildende, Schülerinnen und Studierende dabei, wieder Eigenantrieb, Struktur und Belastbarkeit zu finden, und die eigenen Bedürfnisse in den Ring zu werfen. Als Heilpraktikerin und Ernährungstherapeutin behandle ich die Erwachsenen, deren Körper die Dauerbelastung durch die vielen Missverständnisse und Masse an Mehrarbeit über Jahre getragen hat.
Beide Seiten hängen zusammen. Wenn ein Auszubildender wieder ins Tun kommt, sinkt deine Reibung im Alltag – und damit oft auch dein Stresspegel. Und umgekehrt: Wer selbst wieder Boden unter den Füßen spürt, gut schläft und einen ruhigen Bauch hat, führt anders. Geduldiger, klarer, weniger reaktiv. Das ist kein fancy Motivationstrick und keine Frage der richtigen Einstellung. Es ist schlicht ein befreiter Organismus, der nicht mehr auf Dauer-Alarm steht.
Deine Verantwortung – in beide Richtungen
Als Ausbilderin, als Ausbilder trägst du eine doppelte Verantwortung. Nach außen für die jungen Menschen, die bei dir lernen und sich entwickeln sollen. Und nach innen für dich selbst – für den Körper, der das alles möglich macht.
Die zweite Richtung wird gern vergessen. Dabei kannst du auf Dauer niemanden gut anleiten, wenn du selbst auf Reserve fährst. Sich um die eigene Gesundheit zu kümmern, ist hier kein Egoismus, sondern Voraussetzung. Es geht nicht darum, noch mehr zu leisten, sondern darum, die eigenen Warnsignale wieder ernst zu nehmen, bevor sie laut werden.
Welche Wege es gibt
Die gute Nachricht: Du musst das nicht aussitzen. Statt nur das nächste Symptom zu dämpfen, lohnt der Blick auf die Ursache. Über Teller und Tasse lässt sich viel bewegen – eine Ernährung, die deinen Darm stabilisiert statt reizt, der gezielte Blick auf Schlaf, Erholung und Stoffwechsel, bei Bedarf eine Stuhl- und Labordiagnostik, die statt zu raten genau hinschaut. Biologische Medizin bzw. Naturheilkunde verstehe ich dabei nicht als Gegenspielerin der Schulmedizin, sondern als ihre oft fehlende Ergänzung. Komplementär.
Was davon zu dir passt, hängt von dir ab – von deinem Befund, deinem Alltag, deiner Belastung. Einen Standardplan gibt es nicht. Was es gibt, ist ein realistischer, alltagstauglicher Weg, der ohne Verzicht und ohne Jo-Jo auskommt.
Das noch: Diese Informationen ersetzen natürlich nicht den Besuch bei Ärztin oder Arzt. Aber sie sind vielleicht der Anlass, deinem Bauchgefühl wieder zuzuhören. Und wenn du das Bedürfnis verspürst helfe ich dir als Coach auch in deinem Beruf gemeinsam mit den Trainees in ein gutes Miteinander zu finden. Bei Bedarf ganz diskret.
Ernährungstherapie überwiegend online via Zoom im gesamten DACH-Raum, ergänzend in Präsenz in Lich. Bei entsprechender Indikation bezuschussen alle Krankenkassen in D die Ernährungstherapie – ich helfe dir, den Antrag unkompliziert zu stellen.
FAQ
1. Warum schlägt Stress so oft auf den Darm?
Der Darm ist über die Darm-Hirn-Achse direkt mit dem Stresssystem verschaltet. Dauerhafte Anspannung verändert Beweglichkeit, Durchblutung und Milieu im Darm – aus „Druck schlägt auf dem Magen” kann mit der Zeit eine Reizdarm Symptomatik werden.
2. Was hat die Motivation meiner Auszubildenden mit meiner Gesundheit zu tun?
Ein Azubi ohne Eigenantrieb bedeutet für dich dauerhafte Mehrarbeit und Mehrbelastung. Hält dieser Zustand über Wochen und Monate an, wird daraus chronischer Stress – und der wirkt messbar auf Darm, Schlaf und Immunsystem.
3. Kann Coaching der Auszubildenden auch mich als Führungskraft entlasten?
Oft ja. Wenn junge Menschen wieder Eigenantrieb und Belastbarkeit finden, sinkt die tägliche Reibung – und damit häufig auch der Stresspegel der Ausbildenden.
4. Ab wann sollte ich meinen Stress ernst nehmen?
Wenn Warnsignale dauerhaft werden: schlechter Schlaf, ein gereizter oder träger Bauch, häufige Infekte, anhaltende Erschöpfung. Spätestens dann lohnt der Blick auf die Ursachen statt nur auf einzelne Symptome.
5. Übernimmt die Krankenkasse Ernährungstherapie bei stressbedingten Beschwerden?
Bei entsprechender Indikation bezuschussen die gesetzlichen Krankenkassen die Ernährungstherapie. Beim Antrag unterstütze ich dich, damit der Zugang unkompliziert bleibt.
